Bunter Umzug wirbt für Modenschau „Dressed Underground“

Hannoversche Allgemeine

An der Spitze der Straßenmodenschau auf dem Engelbosteler Damm war der 19-jährige Francesco Papa eine besonders auffällige Erscheinung. Quelle: Moritz Frankenberg

Die vielen Hannoveraner, die es sich an Engelbosteler Damm, Klagesmarkt und Steintor auf den Stühlen von Straßencafés, Eisdielen und Bars gemütlich gemacht haben und die Sonne genießen, hätten vielleicht gerne mehr gesehen. Hätten sich die gewagten Hosenanzüge, Kleider und High Heels, die die jungen Designer und Designerinnen an diesem Sonnabendnachmittag bei ihrer Street-Fashionshow zu Markte tragen, gerne genauer angeschaut. Doch der Trupp von 50 modebewussten Menschen eilt im Sauseschritt vorbei. Schließlich geht es nur darum, Werbung für das eigentliche Event zu machen. Für „Dressed Underground“, die kommenden Sonnabend zum sechsten Mal stattfindende Modenschau bei Elfie & Ignaz in der Nordstadt.

Orient und Gothic vereint

 

Es sind etliche Startups aus Hannover dabei, die sich bei „Dressed Underground“ präsentieren wollen. Manche der 13 Jungdesigner betreiben auch schon ein Ladengeschäft in Nordstadt, Linden oder List, andere sind noch auf der Suche nach der passenden Location. Da ist Baryalai Khamosh, ein Flüchtling aus Afghanistan, der seine Modenschauen in der Heimat heimlich organisieren musste und nun orientalische Stoffe und westliche Schnitte kombiniert. Da ist Kim Hülscher aus Hannover, die alltagstaugliche Gothic-Kleidung und außergewöhnliche Accessoires für schrille Partys kreiert. Die Modenschau am nächsten Sonnabend wird Taschen zeigen, die verschiedene Größen und Formen annehmen können, es werden T-Shirts versprochen, auf denen Motive aus hannoverschen Stadtteilen im Siebdruckverfahren verewigt sind, und auch für Männer soll urbaner Lifestyle in kreative Formen gegossen werden.

„Man muss nicht nach Berlin oder Hamburg fahren, um tolle Mode zu entdecken, auch in Hannover passiert ganz viel“, sagt Vanessa Meyer. Viele Impulse kämen aus den zwei Modeschulen, die hier angesiedelt sind. Gemeinsam mit Ercan Carikci kümmert sich die 31-jährige Betriebswirtin um die Promotion für „Dressed Underground“, will zudem in wenigen Wochen in Linden-Mitte einen Laden eröffnen, wo Mode und Kunst aus der hannoverschen Kreativszene vermarktet und verkauft werden.

Party nach der Show

Für die Szene ist das Event bei Elfie & Ignaz einer der Höhepunkte der hiesigen Modesaison. In der Oberstraße 8, in Halle und Zelt in einem Hinterhof, werden junge Designer und Designerinnen am 25. Mai ab 19 Uhr ihre mehr oder weniger gewagten Kollektionen vorstellen. Kaufwillige können Klamotten ihrer Wahl gleich vom Laufsteg weg erwerben, und bei der Aftershowparty soll bis in den Morgen hinein getanzt werden. Ein Höhepunkt der Modenschau, verspricht Elfie & Ignaz-Inhaberin Sonay Hardt, werde die Verleihung der „Dressed Underground Fashion Awards“ sein. Vielleicht war ein Preisträger-Stück ja schon bei Sonnenschein auf dem Engelbosteler Damm zu sehen – aber wirklich wahrgenommen hat es bei diesem Schnelldurchlauf wahrscheinlich keiner der Zufallszuschauer. 

 

Von Michael Zgoll